Zwischen Staub und Stil: Das Herrenzimmer

Zwischen Staub und Stil: Das Herrenzimmer

Es war einmal . . .

Was unter einem Herrenzimmer zu verstehen ist, lässt der Name nur rudimentär erkennen. Ein Herrenzimmer ist ein Zimmer, in dem sich nur oder überwiegend Herren aufhalten. Eine Vorstellung vor dem inneren Auge baut sich erst auf, wenn man weiß, dass sich Herrenzimmer um die Gründerzeit als größere Wohnstuben bei bürgerlichen Kleinfamilien etablierten.

Designermöbel und für Damen kein Eintritt

Nun entwickelt sich ein Bild mit eleganten hochwertigen Möbeln aus warm-dunklen Hölzern. Niedrige Couchtische sind von großzügig gestalteten, tiefen, bequemen Sesseln umgeben. Richtig repräsentativ wird das Ensemble, wenn sich die Familie echte Ledersessel leisten kann, am besten luxuriöse Chesterfield Sessel.

Ein verschließbarer Bibliotheksschrank, Extra-Tisch, Stühle, ein schwerer Schreibtisch und ein dazu passender Schreibsessel machen die Einrichtung vollkommen. Es gab damals sogar fertig zusammengestellte Herrenzimmer-Einrichtungen als Komplettangebot zu kaufen.

Das Herrenzimmer war tatsächlich nur für die Herren vorgesehen. Frauen waren sogar ausdrücklich nicht willkommen. Ausnahmen gab es nur für Reinigungspersonal oder Damen, die für Unterhaltungszwecke wie zum Beispiel musikalische Darbietungen engagiert wurden.

Ansonsten galt die Vorstellung, dass Frauen bei bestimmten Themen wie Wirtschaft oder Politik sich nicht angemessen an einem Gespräch beteiligen könnten.

So zogen sich die Herren in Momenten wie nach dem Essen gern in ihr Refugium des Herrenzimmers zurück, um sich ungestört besprechen zu können. Sie nahmen Platz im Chesterfield Sessel, rauchten und tranken. Ab und zu wurde auch gefeiert.

Veraltet oder altehrwürdig? – Herrenzimmer heute

Dieser Brauch ist längst passé. Abgesehen davon, dass Frauen heutzutage mehr respektiert werden, pflegen Männer heute andere Gepflogenheiten. Möchten sie unter sich sein, suchen sie Hobbyraum oder Arbeitszimmer auf oder treffen sich außerhalb in Gaststätten und Restaurants.

Wäre es nicht reizvoll und nobel zugleich, heute das Herrenzimmer im klassischen Stil wieder aufleben zu lassen? Es muss ja nicht in so chauvinistischer Manier wie anno dazumal geschehen. Aber diese unnachahmliche Eleganz eines Herrenzimmers im alten Stil ist mit einem Arbeitszimmer und schon gar nicht mit einem Hobbyraum zu vergleichen.

Chesterfield Sessel  gibt es heute noch zu kaufen. Erste Anlaufstelle sind Fachgeschäfte für englische Möbel, wo ein Interessent gute Chancen hat, weiteres passendes Mobiliar für sein geplantes Herrenzimmer zu finden. Von Wilmowsky etwa hat auch einige Chesterfield Sofa im Angebot.

Außerdem sind Antiquitätengeschäfte ein guter Tipp. Selbst für in der Zeitung annoncierte Haushaltsauflösungen sollte sich ein künftiger Herrenzimmerbesitzer nicht zu fein sein. Damit das Herrenzimmer zu einem künftigen beliebten Gentlemen’s Club wird, sind allerdings auch ein paar Zugeständnisse an die Moderne zu machen.

Billard-Tisch, Kunstobjekte, CD-Player und eventuell ein Laptop sorgen dafür, dass das neue alte Herrenzimmer nicht den Flair eines Museums vermittelt. Echte Gentlemen von Heute tolerieren außerdem gelegentlichen Damenbesuch.

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